Zum Buch:
Jean-Jacques Rousseau wurde 1712 im calvinistischen Genf als Sohn eines Uhrmachers geborenen – und es gibt wohl kaum eine strittigere Persönlichkeit des beginnenden 18. Jahrhunderts, über die schon Zeitzeugen derart viel und heftig diskutiert haben.
Für die einen war Rousseau Philosoph und Politiktheoretiker, begnadeter Schriftsteller und Schöngeist, war Pädagoge, Naturforscher, Vordenker und Idealist, dessen frühe Einflüsse auf die Aufklärung wie später auf die Französische Revolution von bedeutender Wichtigkeit waren.
Andere wiederum sahen in ihm nichts weniger als einen zu extremen Hysterie-Ausbrüchen neigenden Narzissten und selbsternannten Tugendprediger, gar einen Heuchler, der seine eigenen fünf Kinder in ein Findelhaus gab, einen begnadeten Inszenierer seiner selbst, der in seinem Hauptwerk, den zwischen 1765 und 1770 verfassten und posthum erschienenen Les Confessions (Die Bekenntnisse), systematische Verfälschung von Fakten betrieb. Selbstredend zu seinem eigenen Vorteil.
Dass Jean-Jacques Rousseau bereits in frühen Jahren und eher aus der Not heraus ein selbst für damalige Verhältnisse allzu exzentrisches Leben zu führen begann und noch dazu an den Widersprüchen seiner Zeit litt, ist unbestritten. Und gerade die Tatsache, dass Volker Reinhardt Rousseaus Leben und Wirken derart lebendig und kenntnisreich vor dem zeitlichen Hintergrund der Kernepoche der Aufklärung darzustellen weiß, macht die Lektüre dieser Biografie so lohnenswert. Es lässt sich erahnen, welch eine enorme Recherche sich der Autor aufgebürdet hat, und so kommt man auch nicht umhin zu vermuten, eine weitere Biographie über den Philosophen sei unnötig, da jetzt, mit diesem Standardwerk, alles gesagt sei.
Axel Vits, Köln