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Autor
Jacobsen, Roy

Die Unsichtbaren

Untertitel
Eine Insel-Saga. Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann
Beschreibung

Die Insel südlich der Lofoten, auf der Ingrid zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwächst, gehört ihrer Familie: Großvater Martin, Tante Barbro und Vater Hans mit Mutter Maria. Auf Barrøy sind Leben und Arbeiten eins, die Winter sind hart, die Sommer gleißend. Das Meer bestimmt über Glück und Unglück. Von der ersten Seite an werden Leserinnen und Leser von dieser grandiosen Familiensaga mitgerissen in eine andere Zeit und eine unbezähmbare Natur voller Schönheit.
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
C.H.Beck Verlag, 2019
Format
Gebunden
Seiten
613 Seiten
ISBN/EAN
978-3-406-73183-9
Preis
28,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Roy Jacobsen, geboren 1954, schreibt Romane, Erzählungen und Kinderbücher und gilt als einer der wichtigsten Autoren Norwegens. “Die Unsichtbaren” wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt und war auf der Shortlist des Man Booker International und des Dublin Awards. Der Autor schrieb außerdem zusammen mit Nicolas Winding Refn das Drehbuch von “Walhalla Rising” (2009). Er lebt in Oslo.

Zum Buch:

Die Insel südlich der Lofoten, auf der Ingrid zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufwächst, gehört ihrer Familie: Großvater Martin, Tante Barbro und Vater Hans mit Mutter Maria. Auf Barrøy sind Leben und Arbeiten eins, die Winter sind hart, die Sommer gleißend. Das Meer bestimmt über Glück und Unglück. Von der ersten Seite an werden Leserinnen und Leser von dieser grandiosen Familiensaga mitgerissen in eine andere Zeit und eine unbezähmbare Natur voller Schönheit.

Wenn auf Barrøy der Wind schweigt, und das kann im Juni beim Torfstechen mitunter so sein, dann ist diese plötzliche Stille, die auf der Insel einkehrt, wie ein kleiner Einblick in den Tod. Der ist allgegenwärtig, bei Menschen wie bei Tieren, in den heftigsten Stürmen könnte man sogar fast glauben, dass die ganze Insel untergehen wird. Dann kommt es vor, dass ein Schuppen dreimal wiederaufgebaut werden muss.

Im Winter bringt das Meer Fische – bis zu 12 Tonnen – oder es raubt Netze und Trockengestelle. Im Frühjahr muss die Katze im Haus bleiben, denn die Meerenten, die unter der Treppe nisten, bringen nicht nur Eier, sondern auch Federn, die, teuer verkauft, dafür sorgen, dass die Familie ab und an auf der Handelsstation einkaufen kann.

Die Kriege tragen Flüchtlinge zur Insel, vor manchen Gestrandeten muss sich die Familie hüten, noch viel mehr aber vor der deutschen Besatzung. Ingrid, der die Insel nach dem Tod von Großvater, Vater und Mutter gehört, arbeitet jetzt am Hafen und hat Barrøy verwaist zurückgelassen. Nach ihrer Rückkehr findet sie an den Küsten der eigenen Insel gestrandete Tote, Männer in Uniformen, Holzwolle unter der Bekleidung als Schutz gegen die Kälte. Ein Schwerverletzter, der sich im Hof versteckt hat, überlebt unter ihren pflegenden Händen, deutlich jünger als sie, er spricht Russisch. Sie schickt ihn fort, um ihn vor den Deutschen zu retten und merkt nach wenigen Wochen, dass sie schwanger ist.

So karg und intensiv wie das Leben auf der Insel, so direkt ist Roy Jacobsens Sprache im Präsens gehalten. Denn wer auf Barrøy nicht aufmerksam und allgegenwärtig im Hier und Jetzt lebt, den weht der Wind davon, den greift sich das Meer im Sturm.

Nur im dritten Teil, wenn Ingrid mit der Tochter auf die Suche nach deren Vater Alexander geht, schiebt sich das Präteritum zwischen Erleben und Erzählen. Diese Distanz erleichtert Leserinnen und Lesern ein wenig den Abschied von Barrøy am Ende des Romans – aber wirklich nur ein wenig!

Susanne Rikl, München