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Autor
Ansell, Neil

Tief im Land

Untertitel
Meine Jahre in den Wäldern von Wales. Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer.
Beschreibung

Fünf Jahre hat Neil Ansell in den abgelegenen Bergen von Wales verbracht. In einem kleinen Cottage ohne fließendes Wasser, ohne Strom, Telefon und Auto. Bis auf das wenige, das er kaufen muss und mühsam den Berg zu seiner Hütte hochschleppt, lebt er von dem, was er aus eigener Kraft herbeischaffen kann. Er sammelt, fischt, baut Kartoffeln und Gemüse an. Es ist ein karges Leben, fern von allen Bequemlichkeiten der Zivilisation, dafür gefüllt mit einem Reichtum ganz neuer Art. Voller Farben, Geräusche, Geschmäcker und Stille, ausgefüllt mit Beobachtungen der Landschaft, des Wetters und der Tiere. Sein Fazit für diese Zeit lautet: „Ich ging in die Wälder, denn ich wollte … mich selbst finden, und verlor mich statt dessen. Und das war unermesslich besser!“
(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Allegria Verlag, 2016
Format
Gebunden
Seiten
272 Seiten
ISBN/EAN
9783793423119
Preis
18,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Neil Ansell ist ein mit Preisen ausgezeichneter britischer Fernsehjournalist der BBC und schreibt für verschiedene Zeitungen wie Guardian und New Statesman. Er hat über 50 Länder bereist, bevor er sich für fünf Jahre in ein abgelegenes Cottage in Wales zurückzog. In England wurde sein Buch Tief im Land zweifach für literarische Auszeichnungen nominiert. Er lebt heute mit seiner Familie in Brighton, England.

Zum Buch:

Ansell ist kein Zivilisationsflüchtling, kein Sonderling und auch nicht kontaktgestört. Er sagt von sich: „Bisher hatte ich sogar ganz bewusst ein Leben geführt, das mich ständig in Kontakt mit anderen Menschen brachte. Jetzt aber wollte ich herausfinden, wer ich war, wenn ich mich nicht mehr über meine Beziehung zu anderen definieren konnte.“ Den idealen Ort dafür hat er tief in den Waliser Bergen, in Penlan Cottage, gefunden, und seine Beschreibung dieser Zeit ist ein erstaunlicher Bericht darüber, was Einfachheit und Einsamkeit mit ihm machen. Nämlich das Gegenteil dessen, was er – und wahrscheinlich der Leser – glaubt.

Es ist eine raue Gegend, die er sich da ausgesucht hat. Viel Regen, kurze Sommer, harte Winter, scharfer Wind. Menschliche Kontakte sind spärlich, auch wenn es Nachbarn gibt. Der Sommer ist eine vergleichsweise gesellige Zeit. Er erhält Besuch von Freunden, die im Kofferraum Lebensmittel mitbringen, aber wenn sie nach einigen Tagen wieder abreisen, denkt er: “Schön war’s, aber nun zurück zum echten Leben.“ Zum Herbst beginnt er, wie ein Eichhörnchen Wintervorräte zu horten, und als die Regale mit eingemachten Pilzen, selbst produziertem Schaumwein und Marmelade gefüllt sind, macht er„die Schotten dicht“ und bereitet sich auf das Schlimmste vor. „Unter Glück verstehe ich eine prall gefüllte Speisekammer.“

Langeweile hat er nie, und entgegen seinen Erwartungen, bringen ihn die Einsamkeit und die einfachen täglichen Arbeiten nicht dazu, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren. „Das Alleinsein führte mich nicht zur Innenschau, ganz im Gegenteil. … Die Stille, die mich umgab, fand ihren Widerhall in der zunehmenden Stille in meinem Inneren … Ganz bestimmt lernte ich in den Jahren, die ich in Penlan Cottage verbrachte, mich in meiner eigenen Gesellschaft wohlzufühlen. Das allerdings kam nicht dadurch zustande, dass ich immer tiefer in mich drang, sondern dadurch, dass ich mich selbst vergaß.“

So ist Tief im Land kein Bericht über die Grenzerfahrung, eines sich auflösenden Ich, wie in Bakers Der Wanderfalke oder McDonalds H wie Habicht. Ansell schildert seinen Alltag und die Mühe, das tägliche Leben durch Holzsammeln und -hacken, Wasserschleppen, Umgraben, Pflanzen, Ernten und Verarbeitung von Nahrungsmitteln zu sichern. Er erzählt von langen Wanderungen, Beobachtungen von Vögeln, Dachsen, Füchsen, Fledermäusen und Insekten. Ansell hat ein ruhiges Buch geschrieben, in dem wenig Spektakuläres geschieht und das durch seine angenehme Distanz, seinen Humor und eine genaue Beobachtungsgabe, gepaart mit der Fähigkeit, das Gesehene in Worte zu fassen, besticht. Wer sich darauf einlassen mag, wird beglückende Lesestunden erfahren.

Ruth Roebke, autorenbuchhandlung marx & co, Frankfurt