Zum Buch:
Wie heutzutage jeder rotznäsige Drittklässler weiß, ist der während des Zweiten Weltkriegs von alliierten Fliegern eher zufällig entdeckte Rum Doodle mit seinen 40.000 ½ Fuß der mit Abstand höchste Berg der Welt. Er befindet sich im Himalaya, genauer gesagt in Yogistan, und hier war es auch, wo man 1928, wiederum rein zufällig, auf den ersten, sagenumwobenen Schneemenschen stieß, ein menschenähnliches, etwa sieben Fuß großes Wesen mit blauem Pelz und drei Ohren. Doch die Geschichte der Handvoll Männer, allesamt unerschrockene Recken, die sich dereinst aus dem beschaulichen London aufmachten, diese letzte Zitadelle der Natur, die der alles besiegende menschliche Geist noch nicht erobert hatte, diese Mutter aller Berge als erste zu besteigen, ist bisher den Allerwenigsten bekannt. Es ist eine Geschichte voller Heldenmut und Unternehmungsgeist, eine Geschichte voller Risiken und Abenteuer, die in den Annalen der Gipfelstürmer ihresgleichen sucht.
Nur – in Wirklichkeit war alles ganz anders. Die Männer, die Recken, die sich in der Gruppe fanden, waren alles andere als Profis. Sie waren vielmehr die reinsten Stümper. Angefangen beim Expeditionsleiter, der seine Zeit damit verbringt, unentwegt über Führungsverantwortung zu meditieren, über den Navigator, der es nicht mal zur verabredeten Abfahrt nach London schafft, weil er sich schlichtweg verlaufen hat, bis hin zu dem Arzt, der andauernd krank ist, und dem Koch, der nicht kochen kann.
Als Ziel hatte man sich, neben der eigentlichen Besteigung natürlich, fest vorgenommen, in den eisigen Höhen eine mechanische Gletscherschaufel sowie einen drei Tonnen schweren, pneumatischen Geologenhammer zu testen, doch ließ man diese Pläne später fallen. Und das Paar, das als erstes den Gipfel erreichen würde, sollte – sofern es jünger als sechzig und fotogen wäre – in einen Kinofilm mit dem Titel „Tarzan und der abscheuliche Schneemensch“ mitwirken. Doch von Anfang an ging alles daneben: man engagierte 30.000 statt 3.000 Träger, der Dolmetscher verstand nur Bahnhof, die Champagnervorräte gingen überraschend schnell zur Neige, noch dazu hatte man vergessen, Lebensmittel für den Rückweg einzupacken, und was dem Ganzen dann schließlich die Krone aufsetzte: Sie hatten doch tatsächlich den falschen Berg erwischt.
William E. Bowmans 1956 erschienener Roman, der heute erstmals in deutscher Sprache vorliegt, ist vielleicht nicht unbedingt »das lustigste Buch, das Sie jemals lesen werden«, wie es in dem netten Vorwort von Bill Bryson heißt, doch werden Sie, wie Bill Bryson es tut, dieses Buch einfach lieben. Die Gags sind hochgradig amüsant, die Slapstickeinlagen filmreif. Besser geht es nicht. Das Buch ist schnell gelesen, ist es doch schier unmöglich, es aus der Hand legen. „Die Besteigung des Rum Doodle“ ist – bisher noch – ein Geheimtipp.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln