Belletristik

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Buchempfehlung Belletristik

Autor
Cook, Kenneth

In Furcht erwachen

Untertitel
Roman. Aus dem austral. Engl. von Hansjörg Schertenleib
Beschreibung

Eine existentialistische Tour de Force, die an Camus und Hemingway erinnert.

Verlag
Beck, 2006
Format
Gebunden
Seiten
191 Seiten
ISBN/EAN
978-3-406-54207-7
Preis
17,90 EUR

Zum Buch:

Sechs Wochen Ferien bei vollem Lohn, darauf freut sich der aus – und abgebrannte Lehrer John Grant. Sechs Wochen Ferien in Sydney, weit entfernt vom ewig heißen australischen Nest Tiboonda, in dem er ein einsames und unerfülltes Dasein fristet. Die erste Station seiner Reise führt ihn nach Bundanyabba, ein weiteres Kaff in der Prärie, dessen eigenwillige Bewohner stets von den Vorzügen ihrer Stadt sprechen. Im Rausch seiner ersten Urlaubsbiere nimmt Grant an einem Glückspiel teil, das ihm innerhalb kürzester Zeit 200 Pfund beschert. Schnell gewonnenes Geld, das ihn so reich macht wie nie zuvor. Von der Gier gepackt beschließt er noch einmal alles zu setzen, um seinen Gewinn zu verdoppeln. Es kommt wie es kommen muß, und er verliert alles, selbst der Lohnscheck wird verzockt. Und so beginnt der Sturzflug eines Pechvogels. Es erstaunt nicht, daß dieser Roman in Australien zur Schullektüre avancierte, erzählt er doch von der Schule des Lebens und ihren Tücken. Verzweiflung, Exzesse, Dummheit und Pech, Zerstörung, Wut und Hoffnungslosigkeit – eine düstere Palette entfaltet sich unter den Augen des Lesers. Hier kommt es nicht nur anders, sondern noch viel schlimmer, als man denkt. „In Furcht erwachen“ ist eine rasant erzählte Looser – Geschichte, bei der einem da Ralph Wagner, Ypsilon Buchladen & Café, Frankfurt/Main zum selben Buch: Endlich ist es soweit, der letzte Schultag ist vorüber. Zwölf lange Monate der Trostlosigkeit und Einsamkeit in der Ödnis von Tiboonda haben ein Ende, denn die langersehnten Weihnachtsferien haben begonnen. Jahn Grant, Leiter und einziger Lehrer einer winzigen Schule in Westaustralien hat vor, sich noch am gleichen Abend in den Zug nach Bundanyabba zu setzen, dort im Hotel zu übernachten und am nächsten Vormittag nach Sydney zu fliegen. Es liegen sechs Wochen Ferien an der Küste vor ihm – Zeit genug, um Hitze, Sand und Langeweile des vergangenen Jahres zu vergessen. Er hört schon das Meer rauschen und freut sich aufs Schwimmen und darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Soweit der Plan, es kommt jedoch alles ganz anders. Wegen der Hitze und weil er nicht den ganzen Abend im Hotel verbringen möchte, beschließt John Grant vor dem Abendessen noch ein paar Biere zu trinken. Das soll sein erster Fehler sein. Den zweiten begeht er, als er in einem illegalen Glückspiel-Club das erste mal in seinem Leben am „Two-up“, einem ebenso einfachen wie gewinnversprechenden Spiel teilnimmt. Binnen kürzester Zeit kann der Spieler seinen Einsatz in doppelten Gewinn verwandeln oder aber alles verlieren. Berauscht vom Bier und seinem anfänglichen Gewinn packt Grant eine zuvor nicht gekannte Spielleidenschaft, und er verliert nicht nur, was er zuvor gewonnen hat, sondern auch das Geld, das ihm den Flug nach Sydney und die Ferien an der Ost-Küste finanzieren sollte. Völlig pleite, ohne Unterkunft, ohne jede Aussicht, sich Geld leihen zu können oder eine Arbeit zu finden, sieht John sich am Rande des Abgrunds. Kenneth Cook schildert in diesem Klassiker der modernen australischen Literatur meisterhaft den unaufhaltsamen Abstieg eines jungen Mannes, dem über Nacht scheinbar jegliche Perspektive und Hoffnung abhanden gekommen sind. Anfänglich sucht der verzweifelte Grant noch nach einem Ausweg aus seiner misslichen Lage, doch nach ein paar Bieren verdrängt er die Probleme und gibt sich immer hemmungsloser dem Rausch hin. Es findet sich ständig jemand, der ihm einen Drink spendiert, er findet einen Platz zum Schlafen, er bekommt zu essen, und die neuen Freunde nehmen ihn mit zu einer unfassbar grausamen Känguruhjagd die in einem Gewaltrausch endet. Grants Staunen und seinem Erschrecken vor den eigenen Taten, seinem Abscheu vor sich selbst in den kurzen Phasen der Nüchternheit folgt immer öfter der Filmriss. Regelmäßig nimmt er sich vor, nichts mehr zu trinken, um doch schon bald wieder vor dem ersten Bier des Tages zu sitzen und schon bald jegliche Selbstachtung zu verlieren. Mit steigendem Alkoholpegel lässt Grant sich zu ungeahnten und kaum noch kontrollierbaren Handlungen hinreißen. Innerhalb kürzester Zeit wird er sich selbst fremd. Cooks Beschreibung der Abwärtsspirale des Trinkers sind von unglaublicher Intensität und Präzision. Wer dabei meint, die Säuferkarriere des Protagonisten nehme schlicht und klassisch den erwartbaren Lauf, kann auf eine überraschende Wendung gespannt sein. Allein Pfund, Shilling, Pence und Meilen, die in Australien zwischenzeitlich durch Dollar, Cent und Kilometer abgelöst wurden, sowie das Fehlen von Mobiltelefonen, zeugen davon, dass dieses herausragende Buch bereits 1961 verfasst wurde. An Relevanz hat es eher gewonnen als verloren. Man kann dem Beck-Verlag und dem Übersetzer Hansjörg Schertenlieb nur dankbar sein, dieses packende Buch nun auch dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht zu haben.

Maya Lippmann, Buchladen Land in Sicht, Frankfurt/Main schreibt: