Zur Autorin/Zum Autor:
Die langen Linien der Allmählichkeit von Louis Couperus hat seit seinem Erscheinen im Jahre 1900 den aufmerksamen Leser wie die berufene Wissenschaft im Zwiespalt gelassen. Das Schicksal der frisch geschiedenen Cornélie de Retz van Loo, die aus Den Haag in Rom ankommt, um hier zum einen eine feministische Schrift zu verfassen und zum anderen den Maler Duco van der Staal trifft, stellt die Frage nach der freien Liebe fern ab gesellschaftlicher Konventionen. Feminismus und Moderne, Reaktion und Ästhetizismus der Jahrhundertwende werden anschaulich skizziert. Couperus, ein Klassiker der modernen niederländischen Literatur, wurde zu Lebzeiten regelmäßig ins Deutsche übersetzt, geriet nach seinem Tod in Deutschland jedoch völlig in Vergessenheit. Die Neuübersetzung von “Die langen Linien der Allmählichkeit” von Gregor Seferens für den Manesse Verlag wurde von der Presse überraschend aufmerksam verfolgt und lädt dazu ein, sich mit diesem Werk und seinem Wert auf der Schwelle zum 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Reisen führten ihn durch ganz Europa, insbesondere nach Italien und noch zweimal für längere Zeit nach Niederländisch-Ostindien. Hier entstand 1899 auch der Roman “Die langen Linien der Allmählichkeit”. Mit seinem ersten Roman “Eline Vere”, erschienen 1889, verschaffte sich Couperus auf Anhieb Bekanntheit bei einer großen Leserschaft. Neben einer Vielzahl mythologisch-phantastischer Romane, die vor allem in späteren Jahren entstanden, gehören die sogenannten Ostindien-Romane zum Kanon der niederländischen Literatur. Zu den letztgenannten zählen “Von alten Menschen, den Dingen, die vorübergehen” und “Die stille Kraft”, die bereits seit den neunziger Jahren in deutschen Neuübersetzungen vorliegen. (Lesungsinfo, Köln)

