Zum Buch:
Zugegeben, das Haus, in dem ich gerade wohne, macht von außen einiges her: heller Sandstein, hohe Fensterbögen, verspielte Erker. Die Bruchbude nur drei Hausnummern weiter dagegen könnte es mit links in Turit Fröbes Auswahl tödlicher Bausünden schaffen. Brauner, fleckiger Klinker, mindestens aus den Siebzigern, wie man ihn oft bei derlei Altherrenkneipen findet. Aber in Turit Fröbes großartigem Buch findet man auch so schon genug schaurig-schöne Bausünden, da braucht es die olle Bude von drüben nicht. Ob in Nürnberg, Hamburg oder Göppingen, in Braunschweig, Dessau oder dem schönen Castrop-Rauxel, immer hat die Frau, die von sich sagt, sie hätte vor zwölf Jahren ihr Herz für Bausünden entdeckt, den richtigen Riecher (und ihre Kamera dabei), um herauszupicken, was wir als Normalbürger am liebsten abgerissen und in Containern zerkleinert sehen würden. Doch wenn man sich so durch die Seiten blättert, dann meint man irgendwann, ihr doch recht geben zu müssen, sind doch manche dieser „architektonischen Katastrophen und visuellen Umweltsünden“ auf den dritten Blick so hässlich und völlig fehl am Platz, dass sie schon wieder einen gewissen Reiz versprühen – auch wenn der sich in Grenzen hält. Auf jeden Fall ein Buch zum Blättern und Lästern und zum Viel-Spaß-dabei-Haben. Übrigens ein ideales Geschenk, nicht nur für angehende ArchitekturstudentInnen.
Axel Vits, Der andere Buchladen, Köln