Detail

Drucken

fundamentalös

Autor
Younis, Nussaibah

fundamentalös

Untertitel
Roman. Aus dem Englischen von Jasmin Humburg
Beschreibung

Was ist besser: Theorie oder Praxis? Das fragt sich die promovierte Kriminologin Nadia Amin, die gerade mit einem Konzept über die Deradikalisierung von IS-Frauen endlich eine Dozentur an der Uni erobert hat, gleichzeitig aber das Angebot erhält, in einem UN-Projekt im Irak ihre Theorien praktisch zu erproben. Nach all den Jahren wissenschaftlicher Arbeit ist der Einblick in die Praxis zu verlockend.

Fundamentalös ist eine bitterböse und streckenweise saukomische Satire auf den UN- und NGO-Betrieb, den die Autorin aus eigener Anschauung sehr gut kennt, wirft aber auch viele Fragen über die Möglichkeiten auf, Menschen zu helfen, ohne ihnen die eigenen Selbstgewissheiten aufzudrängen, und ihnen stattdessen die Chance zu geben, selbst darüber zu bestimmen, wie sie leben wollen. Fazit: Spannende und witzige Lektüre, verbunden mit ernsten Fragen über den Zustand unserer Welt.

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Unionsverlag, 2026
Seiten
384
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-293-00644-7
Preis
24,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Nussaibah Younis (*1986 in Manchester) ist Friedensforscherin und anerkannte Irak-Expertin. Sie promovierte in International Affairs, beriet die irakische Regierung zu Deradikalisierungsprogrammen von IS-Frauen und leitete in Washington DC die Taskforce zur Zukunft des Irak. Sie veröffentlicht Meinungsbeiträge im Wall Street Journal, im Guardian und in der New York Times, mit ihrem Debütroman fundamentalös stand sie 2025 auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction. Younis hat irakisch-pakistanische Eltern und lebt in London.

Zum Buch:

Was ist besser: Theorie oder Praxis? Das fragt sich die promovierte Kriminologin Nadia Amin, die gerade mit einem Konzept über die Deradikalisierung von IS-Frauen endlich eine Dozentur an der Uni erobert hat, gleichzeitig aber das Angebot erhält, in einem UN-Projekt im Irak ihre Theorien praktisch zu erproben. Nach all den Jahren wissenschaftlicher Arbeit ist der Einblick in die Praxis zu verlockend, und die Tatsache, dass ihre Freundin Rosy sie nach zehn Jahren einfach so sitzenlässt, scheint auch dafür zu sprechen – Orts- und Tätigkeitswechsel sind bekanntlich ein probates Mittel gegen Liebeskummer. Also auf in den Irak – mit dem falschen Gepäck, unpassender Kleidung und einem Haufen unrealistischer Vorstellungen.

Die Wirklichkeit in ihrem UN-Projekt sieht dann zunächst so aus: Streitereien um die Leitung des Teams, das aus einem wild zusammengewürfelten Haufen von jungen Zynikern, Gutmenschen und Karrieristen besteht; nicht eingehaltene Absprachen mit korrupten Politikern, endlos aufgeschobene Termine und entsprechend lange Perioden der Langeweile, die mit albernen Spielchen, Sex und Alkohol gefüllt werden. Als das Projekt dann endlich anläuft, tun sich neue Schwierigkeiten auf. Die oberste Leitung und die irakischen Behörden verlangen etwa die Beteiligung eines Imams, der den Frauen eine sanftere Form des Islam beibringen soll – gar nicht so leicht zu finden. Schließlich entscheidet man sich für den am wenigsten ungeeigneten Bewerber: einen konvertierten Hippie aus Kalifornien, den die zu deradikalisierenden Frauen im Camp ganz offen auslachen oder auch schon mal anspucken.

In all diesem Durcheinander begegnet Nadia der 19jährigen Sara, die mit 15 dank der Einflüsterungen eines IS-Kämpfers nach Mossul gezogen ist. Doch das versprochene islamische Paradies stellt sich als brutale Hölle heraus: ihr Mann vergewaltigt sie, sie darf das Haus nicht verlassen, hat kaum Kontakt zu anderen Menschen, aber sich ihre Cockney-Frechheit bewahrt. Gerade diese Frechheit und der drastische Humor erinnern Nadia an ihre eigene Jugend, und sie setzt sich nach Kräften für ihren Schützling ein, dessen Rettung ihr immer wichtiger wird …

Fundamentalös ist eine bitterböse und streckenweise saukomische Satire auf den UN- und NGO-Betrieb, den die Autorin aus eigener Anschauung sehr gut kennt, wirft aber auch viele Fragen über die Möglichkeiten auf, Menschen zu helfen, ohne ihnen die eigenen Selbstgewissheiten aufzudrängen, und ihnen stattdessen die Chance zu geben, selbst darüber zu bestimmen, wie sie leben wollen. Fazit: Spannende und witzige Lektüre, verbunden mit ernsten Fragen über den Zustand unserer Welt.

Irmgard Hölscher, Frankfurt a.M.