
Scham ist das schmerzhafteste aller Gefühle, und doch sprechen wir kaum darüber. Die Therapeutin Mara Blum unterscheidet in „Die heimliche Fessel“ präzise zwischen Schuld („Ich habe etwas Schlechtes getan“) und Scham („Ich bin schlecht“). Während Schuld zu Wiedergutmachung motivieren kann, führt Scham zu Rückzug, Sucht und Selbstsabotage. Blum erklärt die evolutionären Wurzeln der Scham als sozialen Warnmechanismus, der in der modernen Welt oft fehlgeleitet ist. Sie analysiert „toxische Scham“, die oft in der Kindheit durch Beschämung als Erziehungsmethode entsteht und sich im Erwachsenenalter als Perfektionismus oder Narzissmus maskiert. Das Buch bietet einen sanften, aber wirkungsvollen Weg zur Heilung. Blum stellt Methoden vor, um den „inneren Kritiker“ zu entmachten und Scham-Spiralen durch „Selbstmitgefühl“ (Self-Compassion) zu unterbrechen. Sie zeigt, dass das Gegenmittel zu Scham nicht Stolz ist, sondern Empathie und Verletzlichkeit. Ein wichtiges Buch für alle, die das Gefühl haben, „nicht gut genug“ zu sein, egal wie viel sie leisten.