
Während im ehemaligen Moskauer Staat westliche Wissenschaft und Kultur stets gefürchtet und gemieden wurden, war dies in der Ukraine völlig anders; westlicher Einfluss strömte uns wie ein breiter Strom zu. Dass an der Kyjiw-Mohyla-Akademie1 eine Atmosphäre des freien Denkens herrschte, belegt zumindest der dortige Philosophieunterricht. Jeder Philosophieprofessor musste seinen eigenen, originellen Lehrplan entwickeln; die Satzung der Akademie verpflichtete ihn sogar dazu. Die ukrainische Kultur jener Zeit erreichte eine solche Stärke und Originalität, dass sie nicht nur der Polonisierung widerstand und sich der Moskauer Offensive widersetzte, sondern auch großen Einfluss im Moskauer Staat gewann und Bildung und Wissenschaft in dieses rückständige Land brachte. Die Ukraine, als Ort endloser Kriege, zu einer Quelle von Migrationsströmen geworden. Gebildete ukrainische Orthodoxe wählten Moskau als Ort, um ihre Talente einzusetzen. Dort gründeten sie nach ihrem Brauch Schulen, wo sie Griechisch und Latein unterrichteten und die besten Errungenschaften der europäischen Kultur einführten.