
Das Chalumeau war im 18. Jahrhundert in mehreren europäischen Zentren ein beliebtes und wichtiges Blasinstrument, das seine klangliche Wiedererweckung aber erst nach einer etwa 200jährigen Spielpause Anfang der 1980er Jahre erlebte. Noch heute erweist sich die Rekonstruktion des Chalumeau-Klanges durch die unterbrochene Aufführungstradition sowie die dürftige Quellenlage, vor allem hinsichtlich der geringen Anzahl überlieferter Instrumente, als besonders schwierig. Auf Grund von dokumentarischen Erwähnungen kann heute immerhin das Wirken von zwölf Chalumeaubauern nachgewiesen werden, von denen jedoch keine Instrumente existieren. Den wenigen erhaltenen Chalumeaux steht ein unverhältnismäßig umfangreiches Repertoire gegenüber, dem sich die Mehrzahl der Beiträge in dem vorliegenden Konferenzbericht widmet. Durch Recherchen in Archiven und Notensammlungen Südtiroler Klöster sind weitere unbekannte oder nicht beachtete Chalumeau-Kompositionen zutage getreten. Bei der Auswertung von Materialien der Dresdner Hofkapelle zeigt sich als eine Besonderheit die alternative Besetzung von Chalumeau und gedämpfter Oboe, was auf die aus historischer Sicht enge Verbindung des neu entstandenen Chalumeaus und der Oboe hinweist. Akustische Messungen können belegen, dass die gedämpfte Oboe im Vergleich zum ungedämpften Instrument dem Chalumeau tatsächlich klanglich näher kommt. Neben Betrachtungen zu dem umfangreichen Schaffen von Christoph Graupner behandeln mehrere Abhandlungen das Chalumeau-Repertoire der Wiener Hofkapelle. Dabei richtet sich in den Untersuchungen der nach 1740 am Wiener Hof entstandenen Opern sowie in den Ausführungen über die bisher kaum beachtete Musik des Balletts d’action der Blick auch auf die Chalumeau-Geschichte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.